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Rösler lehnt KfW-Hilfe für Reeder ab

16.11.2012 09:53 Uhr
Philipp Rösler FDP
Philipp Rösler sieht keinen Anlass, den angeschlagenen Reedereien finanziell zu helfen.
© Foto: dapd/Axel Schmidt

Deutsche Schifffahrt in Not: Viele Reeder verdienen kein Geld, die Banken geben keine Kredite mehr. Nun verweigert auch noch der Bund finanzielle Unterstützung.

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Hamburg/Berlin. Der Bund will strauchelnden Reedereien nicht unter die Arme greifen. Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) lehnt es ab, dass die Staatsbank KfW für Reedereien in Bedrängnis befristete Überbrückungskredite gibt oder bestehende Schiffsfinanzierungen übernimmt. Das teilte Rösler in einem Schreiben an den Verband Deutscher Reeder (VDR) mit, das der Nachrichtenagentur „dpa“ vorliegt. Der Reederverband äußerte sich enttäuscht über Röslers Absage, sieht aber das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Viele kleine und mittlere Reedereien in Deutschland sind in ihrer Existenz bedroht. Die Reeder sehen sich einer Doppelkrise gegenüber: Die Schifffahrtsmärkte sind geprägt von Überkapazitäten und niedrigen Frachtraten. In der Containerschifffahrt, wo die deutschen Reeder weltweit eine führende Position einnehmen, verdient nur noch jedes dritte Schiff überhaupt Geld. Bislang sind 133 Schiffe deutscher Reeder in die Insolvenz gegangen, weitere 500 bis 600 stehen in der Restrukturierung und sind somit bedroht.

Gleichzeitig führt die Finanzkrise dazu, dass sich die Banken aus der Schiffsfinanzierung zurückziehen. Die teilstaatliche Commerzbank gibt das Geschäftsfeld komplett auf, andere Institute wie die HSH Nordbank müssen ihre Engagements reduzieren. Im Bankendeutsch heißt dies „schonende Portfoliobereinigung“. Das trifft vor allem kleine und mittlere Reedereien, die oft nur über wenige Schiffe verfügen. Sie bekommen keine Kredite mehr, selbst wenn sie Sicherheiten zu bieten haben. Die Banken drängen auf den Verkauf von Schiffen, wenn deren Wert über dem ausstehenden Kredit liegt. 

Reeder sind auf sich gestellt
Rösler erklärt in dem Brief, die Entwicklung erfülle ihn mit Sorge. Er habe jedoch Bedenken, wenn Banken die Risiken aus ausgewählten Kreditengagements auf den Staat verlagern könnten. Das gelte auch bei wirtschaftlich soliden Projekten. In der gegenwärtigen Lage müssten Reeder, Eigenkapitalgeber und Banken gemeinsam Lösungen zur Überwindung der Krise finden. „Eine Konsolidierung der Schifffahrtsbranche wird hierbei nach allen Aussagen von Experten nicht ausbleiben können“, schreibt Rösler. „Umso größerer Mut ist notwendig, um die notwendigen strukturellen Änderungen in der Branche zügig herbeizuführen.“

Die Reeder äußerten sich enttäuscht über Röslers Absage. Sie hatten vorgeschlagen, dass die KfW zeitweise für die privaten Banken in die Bresche springt und mit Überbrückungsfinanzierungen oder der Übernahme von bestehenden Krediten hilft. So sollte Zeit gewonnen werden, bis die Schifffahrtsmärkte 2014 wieder anziehen und die Lage sich entspannt. „Das ist eine große Enttäuschung“, sagte Ralf Nagel, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des VDR. Noch vor wenigen Tagen auf dem Schifffahrtstag in Haren seien von Rösler andere Signale gekommen. Der Verband werde sich aber weiter für ein Engagement der KfW einsetzen, neben Rösler gebe es noch andere Verantwortliche in der Bundesregierung.(dpa)

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KOMMENTARE


spedi01

16.11.2012 - 12:53 Uhr

Klasse Geschichte von unseren Reedern! Mit Schiffsfonds den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen, und wenn dann alles verpulvert ist nach dem Staat schreien. Eine Unverschämtheit, dreister geht es wohl nicht mehr. Vielleicht sollten die Herren Reeder zuerst die eigene Yacht und die Nobelvilla in Blankenese verkaufen.


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