Moskau. Die russische Frachtfluglinie AirBridgeCargo (ABC) hat im ersten Halbjahr 2015 insgesamt 218.000 Tonnen Luftfracht transportiert. Dies ist ein Plus von 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Auch für das zweite Halbjahr erwartet die Linie nach Aussage ihres Vertriebschefs Robert van de Weg eine ähnlich positive Entwicklung.
Die jetzt vorgelegten Zahlen sind Ergebnis einer Reihe von Weichenstellungen der zum Volga-Dnepr-Luftfahrtkonzern gehörenden Gesellschaft. Ein wichtiger Aspekt ist die Kombination von täglichen Flügen auf Kernrouten mit hohem Cargoaufkommen wie etwa Frankfurt-Moskau-Shanghai und zurück und dezentralen Verkehren, beispielsweise zwischen Moskau und München, Zaragoza, Mailand oder Malmö. Letztere werden begrenzt durchgeführt, meistens ein- oder zweimal wöchentlich. Durch dieses Bündelung der zentralen und dezentralen Dienste am Moskauer Flughafen Scheremetiewo und der dortigen Sortierung der ankommenden Transitgüter nach ihren jeweiligen Zielorten werden den Kunden zügige Transporte auch jener Sendungen offeriert, die aus weniger bedienten Strecken eingeflogen und via Moskau zu den Endzielen befördert werden.
Erfolgreiche Ausweitung der Amerikadienste
Als zweiten Grund für das hohe Wachstum der Tonnage im zurückliegenden ersten Halbjahr nennt ABC-Manager van de Weg die Ausweitung der Amerikadienste. So wurden die Frequenzen nach Chicago und Dallas erhöht sowie Los Angeles als Zielort neu in das Routennetz aufgenommen. „Damit konnten wir auch das durch die allgemein gesunkenen China-Exporte bedingte niedrigere Mengenaufkommen auf den dortigen Strecken mehr als kompensieren”, sagt Robert van de Weg. Zugleich kündigt er die Aufnahme von Transpazifik-Flügen zwischen Hongkong und Los Angeles an und die Ausweitung der bestehenden Dienste zwischen Shanghai und Nordamerika unter Einschluss von Atlanta, der dann vierten Destination von ABC in den USA. In Punkto Routenexpansion ist nach den Worten van de Wegs im kommenden September auch die Aufnahme von Umläufen zwischen Moskau und Singapur geplant.
Mit Moskau als operationeller Basis verfügt die Frachtlinie über einen verkehrstechnisch ideal gelegenen Standort, speziell für den schnellen Umschlag von Transitgütern zwischen den Kernmärkten Europa und Fernost. Als in Russland beheimatetes Unternehmen braucht ABC im Unterschied zu vielen Konkurrenten, unter anderem der Lufthansa Cargo, keine Überfluggebühren an das russische Transportministerium zu bezahlen. Ein geldwerter Vorteil angesichts der vielen Flüge über die riesige eurasische Landmasse des Landes.
Weiter Interesse an einer Übernahme von Martinair
Gegenüber lokalen niederländischen Medien hat van de Weg bekräftigt, dass ABC nach wie vor Interesse habe, die Air France-KLM-Tochter Martinair zu übernehmen. Einen entsprechenden Vorstoß hatte die Moskauer Linie bereits 2013/14 gemacht, der jedoch zu keinem Ergebnis geführt hat. In der Zwischenzeit hat das Air France-KLM-Management entschieden, das Gros der von Martinair Cargo betriebenen Frachter aus der Flotte zu nehmen. Begründet wurde dies mit den hohen Verlusten des Cargogeschäfts sowie der steigenden Transportkapazität der Passagierflotte, die Frachter weitgehend entbehrlich mache. Eine Reaktion der Pariser Air France-KLML-Zentrale auf den neuerlichen Vorstoß von ABC zur Übernahme von Martinair liegt derzeit nicht vor. (hs)