Laut einer Erhebung, die das Fraunhofer IIS in Projektpartnerschaft mit der Initiative „Power of Logistics“ des Themenkreises Logistikimmobilien der Bundesvereinigung Logistik (BVL)umgesetzt hat, sind derzeit rund 80 Prozent der deutschen Gewerbe- und Logistikimmobiliendächer sind PV-frei.
Insgesamt wurden 120.150 gewerbliche Hallen mittels automatischer Bilderkennung über ein neuronales Netz klassifiziert und nach ihrer Größenkategorie und regionalen Verteilung analysiert. Das Ergebnis: Über 19 Prozent der Hallen sind mit PV belegt – bei den Logistikimmobilien liegt der Anteil mit fast 18 Prozent nur knapp darunter. Bei diesen insgesamt über 23.400 gewerblichen Gebäuden mit Dach-PV-Anlagen zeigen sich Unterschiede bei den Größenklassen sowie der regionalen Verteilung.
Große Gewerbeobjekte haben Potenzial
Dabei weisen die Gewerbe- und Logistikimmobilien Differenzen auf. So verzeichnen Gewerbeimmobilien in der Größenordnung zwischen 40.000 und 50.000 Quadratmeter mit fast 23 Prozent die höchste Solarbelegung. Die Objekte zwischen 2000 und 5000 Quadratmeter machen mit über 20 Prozent die zweitstärkste Größenklasse aus. Die großen Gewerbeobjekte mit mehr als 50.000 Quadratmeter bergen noch großes Potenzial, denn hier sind knapp über 84 Prozent der Hallendächer ohne PV-Anlagen.
Auch bei Logistikimmobilien ist die PV-Belegung in der Größenordnung zwischen 40.000 und 50.000 Quadratmeter mit bereits rund 36 Prozent insgesamt am höchsten. Und auch bei den Big Box-Logistikobjekten mit mehr als 50.000 Quadratmeter liegt enormes Potenzial, denn rund 81 Prozent der Dächer sind ohne Solaranlagen.
„In puncto Solarenergie sind die ESG-Potenziale für Logistik- und Industrieimmobilien noch lange nicht ausgeschöpft“, sagte Kuno Neumeier, Sprecher des Themenkreises Logistikimmobilien der BVL und CEO der Logivest Gruppe, der 2022 die Initiative „Power of Logistics“ ins Leben gerufen hat.
Baden-Württemberg und Bayern führen
Erwartungsgemäß gibt es in Süd- und Westdeutschland deutlich mehr Photovoltaik auf Gewerbedächern als im Norden und Osten der Nation. Die meisten Solaranlagen auf den Dächern der gewerblichen Hallen kann Baden-Württemberg aufweisen mit einem Anteil von über 26 Prozent, gefolgt von Bayern mit fast 24 Prozent. Schlusslichter bilden die Stadtstaaten Hamburg mit nur über fünf Prozent PV-Belegung sowie Berlin mit knapp über acht Prozent.
Dies ist laut BVL „zwar auch den natürlichen Standortfaktoren geschuldet, denn im Süden scheint die Sonne mehr als im windreichen Norden, aber heruntergebrochen auf die Ebene der Stadt und Landkreise fällt auf, dass offensichtlich auch lokale und infrastrukturelle Bedingungen eine Rolle spielen“. So verzeichnet der bayerische Landkreis Straubing-Bogen mit rund 50 Prozent die deutschlandweit höchste PV-Belegung auf gewerblichen Hallendächern, knapp dahinter liegt mit fast 48 Prozent der Landkreis Landau in der Rheinland-Pfalz. Der Platzhirsch Baden-Württemberg steht mit knapp 43 Prozent in Biberach erst an dritter Stelle im Landkreis-Ranking, wohingegen die wenigsten PV-Installationen mit lediglich rund drei Prozent im Lankreis Görlitz in Sachsen zu finden sind.
In vielen Hallen noch Optimierungsbedarf
„Die Energieversorgung von morgen ist dezentral, digital und transparent. Seit Ende Januar gilt auch das Solarspitzengesetz, das sowohl die Fernsteuerung der Anlagen als auch den Einsatz von intelligenten Messsystemen zur Pflicht macht. Doch in vielen Hallen sehen wir noch Optimierungsbedarf, denn vielerorts fehlt eine umfassende Verbrauchsdatenerfassung. Diese Daten sind die Basis dafür, die grün erzeugte Energie auch effizient zu nutzen, für die Bereiche Heizen/Kühlen und E-Mobilität einzusetzen und die überschüssige Energie ins Netz einzuspeisen und damit zu handeln“, sagte Richard Schneider, Sprecher der Initiative „Power of Logistics“.