Paris. Ohne dafür Milliarden investieren zu müssen, könne GeoPost, die Frachtsparte der französischen Staatspost La Poste, mittel- und langfristig neben den interkontinental tätigen grossen Gruppen durchaus als ein Quasi-Integrator agieren. Das erklärte der Chef des Unternehmens und stellvertretende Postvorstand Paul-Marie Chavanne in einem Interview mit dem Pariser Logistique Magazine. Der Hebel dafür lasse sich beim Frachttransport ansetzen, in den eine grosse Zahl kleinerer und mittlerer Unternehmen außerhalb der etwa 15 grossen internationalen Gruppen involviert seien.
Die vor einigen Monaten übernommene, in Hongkong ansässige Firma Tigers, Ergebnis der Fusion zwischen Kamino Logistics Group und Wako Logistics Group Inc, bezeichnet Chavanne als ersten signifikanten Schritt auf dem Wege zur Bildung eines interkontinentalen Expressnetzes. Sie sei zwar klein, aber weltweit präsent und entspreche dem, wonach GeoPost gesucht habe. Kamino war stark auf die USA ausgerichtet und Wako auf Asien, insbesondere das chinesische Festland, Hongkong, Australien und ein wenig auch auf Indien.
Die neue Firma Tigers kam zuletzt auf einen Jahresumsatz von 250 Millionen Euro. Ihr Aktivitätsradius umfasst Mode, Textilien und Hightech und passt damit genau zu der auf Päckchenbeförderung ausgerichteten Strategie des neuen Eigentümers. Diese wird von GeoPost nach und nach durch „kleinere Zukäufe hie und da” weiter ausgebaut und das Netz enger geknüpft. Vorzugsweise im Visier sind die aufstrebenden Länder und solche Sektoren, die „mit unserem Metier als Päckchenverteiler korrespondieren”. Auf diese Weise werde GeoPost das nötige Knowhow als interkontinentaler Transporteur mit Schwerpunkt Luftfracht erhalten und ebenso im Zollbereich sowie beim Handling mit der Flughafenabfertigung, erläutert Chavanne die entsprechende Zukunftsplanung. Sie ziele letztlich darauf ab, das so geschaffene weltweit gespannte Luftfrachtnetz mit den übrigen Kompetenzen zu kombinieren und so de facto einen Integrator abzugeben.
Asien und Afrika im Fokus
Mit den Aktivitäten im Bereich Freight Forwarding will das Staatsunternehmen Brückenköpfe zwischen den verschiedenen angepeilten Märkten schaffen. Mit dem türkischen Partner Yurtiçi Kargo, an dem GeoPost 25 Prozent vom Kapital halt, ist GeoPost über 50:50-Jointventure schon in Russland, der Ukraine, in Weissrussland und in Kasachstan präsent, und zwar mit der Marke DPD, dies jedoch nicht in der Türkei selbst. Das Netz zieht sich von Sankt-Petersburg bis nach Izmir. In Eurasien können die Franzosen über die Strasse faktisch jedes Land dieser Zone versorgen. Im April letzten Jahres haben sie auch in Indien Fuss gefasst und dort 40 Prozent eines Netzes mit Namen DTCD übernommen. Im frankophonen Afrika ist GeoPost über Jointventure-Konstruktionen mit diversen Postunternehmen insbesondere in Marokko am Ball und halt 75 Prozent vom Kapital einer Firma in Südafrika mit Namen DPD Laser.
Im Fokus für weitere Zukäufe zur Ausweitung des internationalen Frachtnetzes stehen momentan Asien und Afrika, wobei in Asien zunächst nach Partnerschaften bis hin zu Minderheitsbeteiligungen gesucht wird, um so zu erkunden, wie die dortigen Märkte, etwa in Thailand und Vietnam, funktionieren. In China arbeitet GeoPost mit der dortigen Staatspost und dem Unternehmen Lenton zusammen, das sich selbst auf die Zusammenarbeit mit privaten Express-Dienstleistern stützt. GeoPost umfasst die Netze DPD, Seur, Chronopost, Exapaq und Pickup Service. (jb)