Der Fachkräftemangel in Deutschland hat ein neues Rekordniveau erreicht: 86 Prozent der Unternehmen melden Probleme bei der Besetzung offener Stellen. Innerhalb von zehn Jahren hat sich der Fachkräftemangel in Deutschland damit mehr als verdoppelt. 2014 meldeten lediglich 40 Prozent der Unternehmen Schwierigkeiten bei der Besetzung offener Stellen. Damit steht Deutschland auch weltweit an der Spitze und übertrifft den globalen Durchschnitt von 74 Prozent deutlich. Das geht aus einer aktuellen Befragung zum Fachkräftemangel hervor, die von der ManpowerGroup im Rahmen ihres Arbeitsmarktbarometers durchgeführt wurde.
"Die Situation spitzt sich weiter zu, denn die Anforderungen des Arbeitsmarktes verändern sich schneller denn je", erklärt Terry Cade, Geschäftsführer Manpower Deutschland. "Unternehmen müssen die richtigen Strategien finden, um spezialisierte Talente zu gewinnen und bestehende Mitarbeitende durch gezielte Weiterbildung auf die Herausforderungen der Zukunft vorzubereiten. Flexibilität und individuelle Angebote sind dabei entscheidende Erfolgsfaktoren."
Engpässe in Schlüsselbranchen
Besonders betroffen vom Fachkräftemangel sind Unternehmen aus der Energie-Branche mit 92 Prozent. Das entspricht einem Anstieg von 29 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch im Gesundheitswesen und in der IT-Branche (jeweils 89 Prozent) übersteigt die Nachfrage nach Fachkräften mit spezialisierten Kompetenzen das Angebot bei weitem - ein deutlicher Indikator für die zunehmende Spezialisierung des Arbeitsmarktes. Den geringsten Fachkräftemangel verzeichnen Unternehmen im Bereich Konsumgüter & Dienstleistungen mit 82 Prozent. Der Fachkräftemangel in Deutschland betrifft vom Kleinstbetrieb bis hin zum Großkonzern Unternehmen jeglicher Größenordnung.
Unternehmen setzen auf flexible Arbeitszeiten und Weiterbildung
Die Umfrage zeigt: Deutsche Arbeitgeber reagieren bereits auf den immer kleiner werdenden Pool verfügbarer Fachkräfte, passen ihr Leistungsangebot an und setzen dabei auf eine Vielzahl von Maßnahmen. Besonders hervorzuheben ist die zunehmende Bedeutung flexibler Arbeitszeiten und hybrider Arbeitsmodelle, die von 27 Prozent der Unternehmen angeboten werden. Arbeitgeber wollen so den Bedürfnissen der Arbeitnehmenden besser gerecht werden und im Wettbewerb um Talente punkten.
Auch Investitionen in Weiterbildung und Umschulung werden von 23 Prozent der Unternehmen als strategische Antwort auf den Fachkräftemangel genutzt. Diese Maßnahmen helfen nicht nur, bestehende Mitarbeitende zu fördern, sondern auch, die Lücke zwischen verfügbaren Kompetenzen und den Anforderungen des Arbeitsmarktes zu schließen. Interessanterweise spielen Gehaltserhöhungen mit 21 Prozent eine geringere Rolle als erwartet und rutschen im Ranking vom zweiten auf den dritten Platz. Zwar bleibt eine attraktive Vergütung ein wichtiges Mittel, um Fachkräfte zu gewinnen, doch zeigt sich, dass auch die Flexibilität bei Arbeitszeiten und -orten (16 Prozent) für viele Bewerbende ein starker Anreiz ist. 11 Prozent geben an, keinerlei Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel zu ergreifen.
"Diese Entwicklungen unterstreichen, dass Unternehmen zunehmend auf individuelle und langfristige Lösungen setzen, um sich als attraktive Arbeitgeber zu positionieren. Das müssen sie auch, denn der Wettbewerb um die besten Talente ist härter denn je", kommentiert Cade die Umfrageergebnisse. "Erfolgreiche Unternehmen zeichnen sich durch maßgeschneiderte Angebote aus, die auf die Lebensrealitäten der Beschäftigten eingehen. Mit unseren umfassenden Lösungen als Personaldienstleister bieten wir Zugang zu einem breiten Talentpool und können Unternehmen dabei unterstützen, offene Stellen schnell und flexibel zu besetzen."
Gefragte Skills: IT und HR dominieren
Die Umfrage zeigt zudem, welche Fähigkeiten besonders stark gefragt sind. Unternehmen suchen händeringend nach Fachkräften mit Kompetenzen in IT & Datenverarbeitung (30 Prozent), HR (24 Prozent) sowie im Bereich Front Office und Kundenservice (21 Prozent). Qualifikationen in den Bereichen Nachhaltigkeit & Umwelt sowie ESG bringen es auch schon auf 13 bzw. 12 Prozent, obwohl es sich hierbei um spezialisierte Tätigkeitsfelder handelt, die oft nur von bestimmten Branchen wie der Energie- und Umweltwirtschaft oder größeren Unternehmen mit Fokus auf Corporate Governance benötigt werden.
Die Talent-Shortage-Umfrage 2025 der ManpowerGroup basiert auf den Antworten von 40.413 Arbeitgebern aus 42 Ländern, darunter 1.050 aus Deutschland. Die Erhebung fand im Oktober 2024 statt.