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Training im Truck: Was Speditionen für die Mitarbeiter-Gesundheit tun können

03.04.2025 12:00 Uhr | Lesezeit: 5 min
Sandra Lang und Oliver Nocke beim Training im GeKo Trainings-Trailer
Beim Training im GeKo-Trailer: Sandra Lang, Mitarbeiterin im Lager bei der Roman Mayer Logistik Group, und Oliver Nocke, Fuhrparkmanagement
© Foto: Deborah Baran/VerkehrsRundschau

Um gegen die typischen Gesundheitsprobleme der Branche vorzugehen, hat GeKo Trainingsanhänger entwickelt, die zu den Betrieben auf den Hof fahren. Gerade steht einer bei Roman Mayer Logistik in Gersthofen.

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Das Training so niederschwellig wie möglich zu gestalten, ist der Anspruch von GeKo-Geschäftsführer Dr. Christoph Jolk, der das Gesundheits-Unternehmen vor knapp zwölf Jahren gründete. Dafür stattet er Trailer mit Trainingsgeräten aus und kommt selbst zu den Arbeitern auf den Betriebshof. 

Wieso der Trainings-Truck funktioniert

Jolk hatte zuvor in der orthopädischen Rehabilitation gearbeitet, die meisten seiner Patienten kamen mit Rücken-, Knie- oder Schulterschmerzen von Schmitz Cargobull zu ihm in die Klinik. Das Unternehmen hatte gemeinsam mit der Klinik auch einen Gesundheitstag für die Angestellten als Präventions-Maßnahme angeboten, doch „wenn es gut läuft, kommen bei solchen Aktionen von 4000 Angestellten vielleicht 40“, bemängelt der Diplomsportwissenschafter und Sporttherapeut. „Am Ende waren wir mit allen Maßnahmen, die wir gemacht haben, immer unzufrieden: Die Zielgruppe, die wir erreichen wollten – nämlich die in der Schicht arbeitenden, eher unsportlichen – kam nicht.“

Also fing er an, nach Wegen und Angeboten zu suchen, mit denen er gerade jene Gruppe ansprechen konnte. „Wir haben die Mitarbeiter gefragt, was sie denn machen würden. Und am Ende kam das Fitnessstudio raus.“ Doch auch die Kooperationen mit den Fitnessstudios wurden nicht genutzt – zu wenig Zeit, es liege nicht auf dem Weg, die Fahrgemeinschaft, Unwohlsein mit den anderen Nutzern der Studios… Die Gründe waren zahlreich.

„Und dann kamen wir an den Punkt: Wie bekommen wir Trainings-Geräte in den Betrieb?“ Da sie ohnehin schon mit Schmitz Cargobull zu tun hatten, lag die Idee, Anhänger zu Trainings-Trailern umzubauen, nicht fern. So konnten sie direkt vor das Werkstor fahren. „Wir bringen das zielgruppenspezifische Muckibuden-Training niederschwellig direkt an den Arbeitsplatz. Und man sieht: Es wird viel genutzt.“ 

Das Interview mit Geschäftsführer Dr. Christoph Jolk finden Sie hier.

Christoph Jolk, Gianluca Crestani und Lisa Lindermayr vor dem GeKo-Trainings Trailer
GeKo-Geschäftsführer Dr. Christoph Jolk, Geschäftsführer der Roman Mayer Logistik Group Gianluca Crestani und Projektmanagerin Lisa Lindermayr vor dem Trainingsanhänger
© Foto: Deborah Baran/VerkehrsRundschau

GeKo bei Roman Mayer Logistik

Das Thema Rücken ist eine der Hauptursachen für längere Ausfallzeiten in der Logistik – auch bei der Roman Mayer Logistik Group. Als Geschäftsführer Gianluca Crestani den Trailer bei Bauhaus auf dem Betriebshof gesehen hat, war er von der Idee überzeugt: "Es passt einfach vom Konzept. Und Truck und Spedition passt auch von der Storyline", findet er. Der Austausch mit GeKo sei von Anfang an sehr vertrauensvoll gewesen. "Bei Gesundheitsmaßnahmen ist es immer wichtig, dass man sich richtig kalibriert. Das Angebot und der finanzielle Rahmen müssen zum Unternehmen passen. Es darf für den Betrieb keine Belastung sein. Dann geht man damit positiv um – und das spüren auch die Mitarbeiter."

Das Interview mit Geschäftsführer Gianluca Crestani finden Sie hier.

Er hat nicht nur den Gesundheits-Truck auf den Betriebshof geholt, er ermöglicht seinen Mitarbeitern auch, diesen während der Arbeitszeit zu nutzen: "Wenn sich ein Mitarbeiter während der Arbeitszeit für die Teilnahme ausstempeln muss, wären wir meiner Einschätzung nach bei einer Teilnahmequote von 50 Prozent", sagt er. Deshalb war es für Crestani keine Frage: "Für die Krankheitsprävention muss man etwas investieren, denn von nichts kommt nichts. Es war uns das Geld schlicht wert." 

Im Frühjahr 2024 stand der Trainings-Trailer das erste Mal auf dem Betriebshof bei Roman Mayer Logistik in Gersthofen, nun ist er das erneut dort: "Wir machen das jetzt zum zweiten Mal, weil es einfach super ankommt", erzählt Crestani. "Die Mitarbeiter schätzen es extrem, dass wir sagen: ‘Leute, geht in den Truck und trainiert. Es ist egal, wenn ihr da eine halbe Stunde eurer Arbeitszeit investiert. Es ist uns wichtig, dass es euch gut geht.’ Und das kommt rüber. Standortübergreifend nutzen knapp 300 Mitarbeitende dieses Angebot."

Resonanz der Angestellten

Dass der Truck gut ankommt, geben auch seine Mitarbeiter so wieder: Sandra Lang, Mitarbeiterin im Lager, macht in ihrer Freizeit Fitness und Reitsport. „Das Training hier nehm' ich als Zuckerl noch mit“, erklärt sie. Dagegen sind der Hausmeister bei Roman Mayer Logistik, Stefan Graf, und der Azubi als Fachkraft für Lagerlogistik, Thomas Dietz, abgesehen vom gelegentlichen Wandern oder Schwimmen, sportlich nicht aktiv. „Deshalb kommt mir das hier sehr entgegen“, sagt Graf lachend.

Auch Fuhrparkmanager Oliver Nocke nimmt das Angebot gerne an: „Ich war, nachdem der Trailer hier war, ein paar Monate im Fitnessstudio, aber das habe ich gekündigt. Das ist ein zeitliches Thema“, berichtet er. „Jetzt trainiere ich zweimal die Woche hier und mache immer drei Durchgänge.“ 

Jolk erklärt: "Ein Durchgang dauert mit einer vier-minütigen Aufwärmphase auf dem Fahrrad 24 Minuten. Dabei hat man einen Trainingseffekt wie bei einer Stunde im Fitnessstudio. Bei weiteren Durchgängen entfällt das Aufwärmen. Das heißt, wenn Oliver drei Runden macht, kommen wir auf netto fast 40 Minuten."

Haben die regelmäßigen Übungen Wirkung gezeigt? "Bei mir hat es auf jeden Fall was gebracht", bestätigt Thomas Dietz. "Mein Nacken war schwer verspannt und das fällt mir seit zwei, drei Wochen gar nicht mehr auf", erzählt er bei dem Termin Anfang März. 

"Was bei mir ganz klar passiert ist, ist die mentale Geschichte", sagt Oliver Nocke. "Dieser Break und diese Schub – du hast etwas getan und du gehst mental stärker aus dem Auflieger raus, als du reingegangen bist. Aber nicht, weil das Training so anstrengend war, sondern weil du runterfahren konntest."

Der Trainings-Ablauf

Wenn Dr. Christoph Jolk mit dem Trainings-Truck zu den Betrieben kommt, führt er zunächst eine Wirbelsäulenanalyse der interessierten Mitarbeitenden durch. "Wir können sehen, ob es schon funktionelle Auffälligkeiten gibt. Heute schon erkennt man mit dem normalen Alterungsprozess, was in fünf Jahren passieren kann", erklärt er. "Da kann man ansetzen und ihnen vermitteln: ‘Wenn du jetzt nichts tust, ist die Gefahr, dass du massive Rückenschmerzen bekommst, deutlich größer.’ Über diese Aufklärung kriegen wir sie dann Training."

"Nach der Rückenanalyse wird mit einem unserer Trainingstherapeuten ein Krafttest durchgeführt. Das heißt, wir schauen bei jedem, wie es um die Kraft der Bein-, Bauch-, Rückenmuskulatur bestellt ist und bauen darauf das Training auf", führt Jolk weiter aus. "Jedes einzelne Gerät wird einmal individuell eingestellt und dann bekommt jeder eine Chipkarte. Man muss nur noch die Karte einstecken, und dann stellt sich beispielsweise das Fahrrad automatisch ein, denn alle Daten sind hinterlegt. Und ich muss nichts weiter machen als Trainieren."

Des Weiteren ist der Trainingsanhänger mit elektrischen Trainingsgeräten ausgestattet: "Der Motor vereint zwei Riesenvorteile: Zum einen stellt sich der Hebel automatisch ein. Das heißt also, wenn eine kleine Person am gleichen Gerät trainiert wie zuvor jemand Größeres, fährt es automatisch in ihre Einstellungen zurück."

Auch die Gewichte bleiben gespeichert: "Wenn für den Weg nach oben 10 Kilo gespeichert sind, packt das Gerät beim Rückweg noch 5 Kilo drauf. Das macht einen Durchgang sehr zeitintensiv", erklärt Jolk.

Trainieren im Trailer: Oliver Nocke, Fuhrparkleiter, Stefan Graf, Hausmeister, Sandra Lang, Mitarbeiterin im Lager, und Thomas Dietz Azubi als Fachkraft für Lagerlogistik
Trainieren im Trailer: Oliver Nocke, Fuhrparkmanagement, Stefan Graf, Hausmeister, Sandra Lang, Mitarbeiterin im Lager, und Thomas Dietz Azubi als Fachkraft für Lagerlogistik; alle bei der Roman Mayer Logistik Group
© Foto: Deborah Baran/VerkehrsRundschau

Förderung durch Krankenkassen

Das Angebot wird auch von Krankenkassen gefördert: "Die Krankenkassen stellen generell eine bestimmte Präventionsförderung zur Verfügung. Jede Kasse hat ihre Schwerpunkte", erklärt Crestani. "Wir haben die Viactiv kontaktiert, die mit GeKo eng zusammenarbeitet. Für drei Monate je zwei Tage pro Woche würde der Truck mit Therapeuten und Rückenanalysen rund 50.000 Euro kosten. Wir bekommen über die Kasse einen Zuschlag von 60 Prozent."

„Wir hatten es auch schon, dass sich ein paar Nachbarn in einem Industriegebiet zusammengeschlossen haben. Da haben sich fünf oder sechs Unternehmen das Projekt geteilt. In Summe sind wir damit auf rund 400 Mitarbeiter gekommen und jedes Unternehmen hat von dem Gesamtvolumen passend zu ihren Trainierenden ihren Anteil gezahlt.“ Derartige Modelle lassen sich mit der jeweiligen Krankenkasse oder über GeKo organisieren. Der gesetzliche Auftrag ist eindeutig, so Jolk: "Ihr sollt Gelder ausgeben, um Gesundheit in die Unternehmen zu bringen. Wie es sich letztendlich umsetzen lässt, hängt immer mit der handelnden Person der Kasse zusammen." 

Fahrer stärker involvieren

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Nach 12 Wochen hat Dr. Christoph Jolk die Daten von 118 Teilnehmern der Truck Aktion in Gersthofen ausgewertet: 30 Minuten Training am Tag haben demnach zu 24 Prozent weniger Rückenschmerzrisiko und 27 Prozent mehr Muskelkraft inklusive 0,3 Kilogramm mehr Muskelmasse geführt. Zudem konnte das Körperfett um 1,1 Kilogramm reduziert werden.

Bei Roman Mayer Logistik arbeitet man derzeit zusammen mit GeKo an einem Modell, „um noch mehr Fahrer mit ins Boot zu holen. Das liegt nicht an mangelnder Bereitschaft, sondern es ist eher ein organisatorisches Thema“, erklärt Crestani. „Wir wollen noch stärker als bisher die Fahrer in vorgelagerten Informationsveranstaltungen für die Thematik sensibilisieren.“ Auch die Öffnungszeiten des Fitness-Trucks sollen mehr auf die Einsatzzeiten der Fahrer ausgerichtet werden. Damit jeder Mitarbeiter – egal ob aus dem Lkw, Lager oder Büro – eine Chance auf ein Training im Trailer bekommt.

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