Schon das orangefarbene Hardcover mit einem Deutrans-Zug aus Holz macht neugierig: Dahinter erwartet der Leser weder einen planlos zusammengewürfelten Bildband noch eine dröge Bleiwüste. Und tatsächlich schafft es Christian Suhr auf den folgenden 270 Seiten, eine ausgewogene Balance aus erzählten Fakten und sauber beschrifteten Bildern zu halten, die immer nur untermauern, was vorher beschrieben wurde. Außerdem hat er noch ein paar Tabellen zu Fahrzeugbestand und –auslastung eingestreut, von denen man sich noch mehr wünschte – am besten am Ende des Buches übersichtlich zusammengefasst.
Neben der reinen Geschichtsschreibung befasst sich der Autor ausgiebig mit den Fahrzeugen der Deutrans, einem Kapitel, dass selbst Kenner überrascht: Wer hätte gedacht, dass die deutschen Demokraten neben den Ost-LKW, Daimlers, Ford Transcontis und natürlich Volvos auch 38 Saviem und 155 Leyland Beaver in Deutrans-Diensten standen.
Dazu gibt es nicht nur Bilder und Fakten, sondern auch Hintergründe, so zusagen die Geschichte hinter der Geschichte, die das Buch so wertvoll machen. Dazu gehört auch das Kapitel "Alltag bei Deutrans, Episoden und Randnotizen", in dem zahlreiche Mitarbeiter zu Wort kommen und die damalige Zeit nochmal aus ihrer Sicht schildern, was zusätzliche Einblicke "hinter die Kulissen" gewährt. In dem Zusammenhang stört es auch nicht, dass die Bildqualität nicht immer hochauflösend perfekt gelang, da man auf zahlreiche Privatbilder zurückgriff.
Die Mischung aus detaillierten, nicht zu spezifischen Infos, viel Hintergrund und interessanten Details machen das Buch absolut lesenswert – nicht nur für Unternehmer, Deutrans-Fans oder fahrzeugbegeisterte Zeitgenossen, sondern auch für geschichtlich interessierte Leser, die sich ein Bild von den Zuständen in der ehemaligen DDR machen wollen. Insofern sind die 36 Euro für das sauber verarbeitete, schwere Buch gut angelegtes Geld. (gs)
Christian Suhr: Die Deutrans Story, Verlag Kraftakt, Halle 2010, 272 Seiten, 36 Euro, ISBN 978-3-938426-11-1
Vera Ließ