Hamburg. Die Präsidentin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH), Monika Breuch-Moritz, spricht sich für eine Ausweitung der sogenannten "Schwefelsondergebiete" (SECA) für die Schifffahrt in Europa über die Ost- und Nordsee hinaus aus. "Ich halte das für sinnvoll", sagte Breuch-Moritz am Montag in Hamburg bei der Vorstellung der Jahresbilanz maritimen Fachbehörde. Dazu müsse es innerhalb der EU entsprechende "politische Initiativen geben". An denen werde derzeit gearbeitet, ergänzte Breuch-Moritz, die seit Sommer 2008 an der Spitze des BSH steht. Sie geht sehr wohl davon aus, dass die ab 2015 durch die Schifffahrt zu erfüllende Auflage, auch im Seebetrieb nur noch Treibstoff mit einem Schwefelanteil von 0,1 Prozent (derzeit: 1,0 Prozent, Anm. d. Red.) zu verwenden, zu Mehrkosten in der Schifffahrt führen werde. Doch dies müsse im Interesse des Klima- und Umweltschutzes hingenommen werden.
Die Behörden-Chefin geht auch davon aus, dass seitens der EU rechzeitig flankierende Maßnahmen mit dem Ziel eingeleitet werden, zu verhindern, dass es zu einer umfassenden Rückverlagerung von Seegüterverkehrsmengen auf die Straße kommt.
Mit ihrer Position widerspricht die BSH-Präsidentin den noch in der vergangenen Woche seitens der IHK-Nord formulierten Befürchtung, wonach die neuen Schwefelobergrenzen in Nord- und Ostsee zu einer massiven Umverteilung auf den LKW führen werde. Die IHK-Nord berief sich erneut auf ein Gutachten, dass das Bremer Institut für Seeverkehrswirtschaft und Logistik (ISL) kürzlich vorgelegt hatte. Danach könnten pro Jahr bis zu 600.000 LKW-Transporte zusätzlich auf die EU zukommen, weil die Senkung der Schwefelobergrenzen ab 2015 den Seeverkehr erheblich verteure. IHK-Nord-Vorsitzender Wolfgang Hering und Präsident der IHK Rostock, spricht sich für einen Kompromiss aus: Statt der angestrebten 0,1 Prozent Schwefelanteil sollten künftig 0,5 Prozent festgesetzt werden. Dieser Wert soll weltweit erst ab 2020 gelten.
Breuch-Moritz stellte in Hamburg zudem ein neues System zur noch präsziseren Wasserstandsvorhersage auf der Elbe hin. Dieses System werde für die den Hamburger Hafen bedienende Schifffahrt von großer Bedeutung sein. Mit dem neuen Modell mit dem Arbeitsname "OPTEL" (Operationalles Tideelbe-Modell), an dem auch die Hamburg Port Authority (HPA), der Deutsche Wetterdienst (DWD) und die Bundesanstalt für Wasserbau mitwirken, könnten die Tiefgänge im Bereich der Tideelbe auf Zentimeter genau vorausberechnet und den Reedereien für ihre Planungen zur Verfügung gestellt werden. Breuch-Moritz erinnerte daran, dass im Falle von Großcontainerschiffen jeder Zentimeter mehr Tiefgang auch eine entsprechende Mehrbeladung der Frachter nach sich ziehe. Das wiederum hat einen direkten Einfluss auf die Verbesserung der Wirtschaftlichkeit von Seetransporten von und nach Hamburg.
Zu den großen Aufgabenschwerpunkten der Zukunft zählt Breuch-Moritz für ihre Behörde die Offshore-Windenergie. Das BSH ist die zentrale Genehmigungsbehörde für solche Anlagen in den deutschen Hoheitsgewässern. (eha)