Der Gotthard-Basistunnel ist durch den Güterzugunfall vom 10. August stärker beschädigt als zunächst angenommen und bleibt für Monate nur eingeschränkt nutzbar. Laut Angaben des schweizerischen Bahnunternehmens SBB soll voraussichtlich ab 23. August die unbeschädigte Oströhre für Güterzüge wieder freigegeben werden.
Es komme allerdings weiter zu Umleitungen von Güterzügen über die Gotthard-Panoramastrecke und über die Lötschberg-Simplon-Achse, um alle Güter befördern zu können. Personenzüge müssten bis auf Weiteres auf die Panoramastrecke ausweichen.
Einspuriger Betrieb in Vorbereitung: Was wird getan?
Damit die unbeschädigte Tunnelröhre wieder in Betrieb genommen werden kann, ist es notwendig, die Luftzirkulation zwischen den beiden Röhren zu trennen, erklärt das Bahnunternehmen. Nur so sei die Sicherheit der Einsatzkräfte an der Unfallstelle gewährleistet.
Dazu ersetzen die Einsatzkräfte das beschädigte, fest installierte Spurwechseltor provisorisch durch ein mobiles Tor. Dieses nutzt das Unternehmen normalerweise bei Unterhaltsarbeiten. Außerdem muss die Stellwerküberwachung beim Spurwechsel wiederhergestellt werden.
Aktuelle Lage und Umleitung des Schienengüterverkehrs
Ein Großteil des Binnengüterverkehrs kann die Tochter SBB Cargo aktuell über die Panoramastrecke abwickeln. Damit sei die Ver- und Entsorgung im Tessin und die Landesversorgung gewährleistet.
Das Problem: Nur vereinzelte Transit- und Import/Export-Verkehre könnten über die Panoramastrecke fahren, da die Strecke sich für den kombinierten Transitverkehr nicht eignet (die Verkehrsrundschau berichtete hier darüber). SBB Cargo International nutze für den kombinierten Transitverkehr im Moment die Ausweichstrecke über den Lötschberg für etwa 30 Prozent ihres Gütervolumens.
Reparatur dauert mehrere Monate
Bis alle beschädigten Teile der Bahnanlagen ersetzt sind, werde es mehrere Monate dauern, wie die Schweizer erklären. Sie gehen aktuell davon aus, dass voraussichtlich Anfang 2024 beide Tunnelröhren wieder eingeschränkt für den Bahnverkehr nutzbar sind.
Rund acht Kilometer Gleise und 20.000 Betonschwellen muss das Unternehmen eigenen Angaben zufolge aufgrund des Unfalls ersetzen. Das Gleisbett ist im Bereich des Spurwechsels Faido stark beschädigt.